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BDSM als Lebenskonzept (?)

 

Ich wurde in der letzten Woche häufiger von verschiedenen Freunden und Bekannten auf meinen doch ein wenig alternativen Lebensstil angesprochen. Ich gehe relativ offen mit dem Thema BDSM in meinem Leben um und habe keinerlei Problem damit, ein bisschen ausgefragt zu werden. Und weil ich in der letzten Zeit des Öfteren Rede und Antwort stehen musste, habe ich mir mal ein paar intensivere Gedanken dazu gemacht.

 

Mein Dom, mein Herr ist verheiratet.

Ich bin seine Sub, seine Ehefrau ist seine Ehefrau.

Sie weiß von mir, beide führen eine offene Ehe.

 

Viele bekommen allein schon bei dieser Aussage große Augen. Wie kann sie zulassen, dass er mit einer anderen Frau in einer sexuellen Beziehung lebt?! Eine verständliche Frage, wenn man bedenkt, dass im Allgemeinen eher ein monogames Beziehungskonzept gesellschaftlich anerkannt wird. Begriffe wie „offene Ehe“ oder „Polyamorie“ sind doch mehr die Randgruppen und werden ungläubig beäugt - „Das geht doch gar nicht!“ hört man da oft.

 

Andersherum gefragt: Wie komme ich als seine Sub damit klar, mit einem verheirateten Mann zu schlafen? Seine „Zweit-Frau“ zu sein? Zu wissen, dass er sein Leben mit seiner Ehefrau führt, sich abends zu ihr ins Bett legt?

 

Das sind gute Fragen und eine für Alle zufriedenstellende Antwort habe ich nicht gefunden. Ich behaupte auch nicht, dass es einfach wäre. Es ist auch nicht ein ständiger, eitler Sonnenschein, aber mal ernsthaft: in welchem Beziehungsmodell ist das schon der Fall?

 

Am häufigsten höre ich die Aussage „Ich find's krass, dass du das machst, ich könnte das nicht!“ Ich weiß dann meistens nicht, was ich dazu sagen soll. Danke für das Kompliment? Ist es überhaupt ein Kompliment? Wahrscheinlich nicht.

 

Wenn ich gefragt werde, wie ich das „hinkriege“ sage ich meistens „Keine Ahnung“ und füge dann hinzu „Ich bin glücklich so, wie es ist.“ Und genau das stimmt auch. Ich bin glücklich.

 

Weil es nicht darauf ankommt, wie wir unsere Beziehungen leben.

Es kommt darauf an, jemanden zu finden, der uns versteht

und auf der gleichen Ebene ist, wie wir.

 

Genau das habe ich gefunden. Mein Herr versteht mich und meine Bedürfnisse und erfüllt sie (oder auch gerade nicht, so als Sadist ;) ).

 

Ich grenze das auch ab. Meine Beziehung zu meinem Herrn hat für mich nichts mit der Ehe zu tun, die er führt. Das ist auch so eine Sache, die viele nicht verstehen. Ich bin nicht eifersüchtig. Ich muss seine Ehefrau nicht beneiden, weil ich glücklich über das bin, was wir haben.

 

Sehr viele BDSM-Beziehungen sehen so aus, dass Beide andere Partner haben. Vielleicht unterscheiden sich die Neigungen oder der eine Partner kann mit dem Thema BDSM insgesamt nichts anfangen. Man möchte aber nicht verzichten, möchte seine Neigungen ausleben, weil es eine Bereicherung ist.

Bei meiner Beziehung zu meinem Herrn liegt der Grundstein in unseren Neigungen. Natürlich kommen noch Faktoren wie Symphatie und Attraktivität hinzu – es muss halt einfach passen.

Jeder von uns führt sein eigenes Leben. Erledigt seinen Alltag, geht arbeiten und schmeißt den Haushalt. Man kommt zusammen, um zu lachen, Spaß zu haben, herausgefordert zu werden, zu knien, zu gehorchen, Schmerz zu ertragen, Schmerz zu verursachen, jegliche Kontrolle abzugeben und die volle Macht zu erhalten. Man kommt zusammen, um aus all dem Lust zu schöpfen und zu entspannen. Glücklich zu sein, über das was ist und was man hat.

 

Es ist eine intensive Beziehung zueinander, es geht über Freundschaft hinaus,

bleibt aber vor der Liebesbeziehung stehen.

Es ist wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, sich dessen bewusst zu sein

und sich in regelmäßigen Abständen selbst zu hinterfragen.

 

So viel zur Theorie. In der Praxis ergeben sich natürlich auch noch andere Probleme. Die Zeit zum Beispiel. Treffen müssen gut geplant werden, wir führen unterschiedliche Leben, gehen arbeiten, haben unsere Freunde, unsere Familien. Nervt das manchmal? Auf jeden Fall! Aber wie in jeder anderen zwischenmenschlichen Beziehung muss man daran arbeiten. Und meiner Meinung nach tut man das gern, wenn einem etwas daran liegt.

 

Die letzte Frage, die ich laufend zu diesem Thema gestellt bekomme, lautet meistens „Willst du das dein Leben lang so machen?“ Auch wieder eine gute, eine berechtigte Frage. Und wieder weiß ich keine eindeutige Antwort.

Ein Leben lang“ ist eine verdammt lange Zeit. Menschen verändern sich, Beziehungen verändern sich. Niemand bekommt eine Garantiekarte – weder die monogam Lebenden, noch diejenigen in polyamoren Beziehungen.

Die ehrlichste Antwort darauf lautet: Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, ob ich die Entscheidung, eben keine feste Partnerschaft zu haben, nicht irgendwann bereuen werde. Ob ich das irgendwann ändern möchte. Das einzige, was ich sicher weiß, ist: Genau jetzt und genau hier bin ich glücklich – so wie es ist.

 

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