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Sub-Sein

Was zeichnet eigentlich einen devoten, einen submissiven Menschen aus? Woran erkennt man, dass man selbst devot ist? Bin ich wirklich devot oder gebe ich beim Sex nur gerne manchmal die Kontrolle ab?

Diese Fragen stellt sich wohl jeder beim Entdecken seiner Neigungen. Ich finde aber, auch nach Jahren kann man sich die Fragen immernoch stellen. Menschen verändern sich, Neigungen verändern sich und ein regelmäßiges Hinterfragen hilft Einem bei der Selbstfindung.

 

Um der Frage "Was ist eigentlich dieses devot" auf den Grund zu gehen, habe ich mal geschaut, was der liebe Duden dazu sagt. Raus kam folgendes:

 

devot - Adjektiv - Bedeutung:

1. abwertend: unterwürfig, ein übertriebenes Maß an Ergebenheit zeigen

2. veraltet: demütig

3. Jargon verhüllend: bereit, zur Steigerung des Lustgewinns sadistische Handlungen an sich vornehmen zu lassen.

Synonyme zu "devot": demütig, fußfällig, kniefällig, ehrerbietig, ergeben, hündisch, kriecherisch, untertänig, unterwürfig

 

Aha. Nachdem ich das gelesen hatte, saß ich dann doch nochmal ein paar Minuten mit offenem Mund auf der Couch. ABWERTEND?! Ein übertriebenes Maß an Ergebenheit zeigen? Zeige ich meinem Herrn gegenüber ein übertriebenes Maß an Ergebenheit? Für Menschen, die diese Neigungen nicht haben, wahrscheinlich schon. Man stelle sich vor, meine Schwester oder beste Freundin wären dabei, während ich erehrbietig (tolles Wort, oder? :) ) vor meinem Herrn knie, die Hände auf den Oberschenkeln, den Kopf gesenkt und auf seine Anweisungen warte. Am besten noch mit meinem Halsband als einziges Kleidungsstück, das wäre für die Beiden dann wahrscheinlich wirklich sehr befremdlich. Für mich selbst ist das ein normales Bild, ein Verhalten, dass mir absolut nicht fremd oder abwertend erscheint. Es ist Bestandteil meiner Art zu leben. Es erfüllt mich und macht mich stolz.

 

Interessant, dass "devot sein" im Duden offenbar bedeutet, dass man bereit ist, sadistische Handlungen an sich vornehmen zu lassen. Hm. Sehe ich irgendwie auch ein bisschen anders. Nur, weil ich vor meinem Herrn knie, ihm diene, muss ich es noch lange nicht geil finden, mich auch von ihm schlagen zu lassen. Für mich gibt es einen Unterschied zwischen "devot" und "masochistisch" - aber gut, Onkel Duden sieht das offensichtlich ein wenig anders.

 

Wichtig finde ich, sich bewusst zu sein, dass man sich als Mensch nicht aufgibt, wenn man seinem Herrn gehorcht. Im Alltag bin durchaus im Stande, mich durchzusetzen und meine eigene Meinung zu vertreten. Ich hab sowieso eine relativ große Klappe und meistens ein doch sehr gesundes Selbstbewusstsein. Vor meinem Herrn auf die Knie zu gehen, zu tun, was er möchte, ist meine eigene Entscheidung. Ich mache das, weil ich es will und schenke ihm damit meine Ergebenheit. Ein Dom wiederum sollte sich auch immer bewusst sein, dass das ein Geschenk ist und es als solches behandeln. Er sollte die Verantwortung erkennen, die er damit für seine Sub hat, genauso wie sich die Sub ihrer Verantwortung bewusst sein muss. Ihre Verantwortung, ihre eigenen Grenzen der Ergebenheit zu erkennen und mitteilen zu können. Kein Mensch hat immer die gleiche Tagesform und ist psychisch jeden Tag im gleichen Maß belastbar. Eine wichtige Komponente bei einer Dom-Sub-Beziehung ist daher immer die Offenheit.

 

Ich weiß, ich bin devot. Es erfüllt mich, es macht mich stolz, vor meinem Herrn zu knien, ihm zu gehorchen. Ein Lob von ihm kann mir ein Gänsehaut verschaffen, wird er streng, wird er missbilligend, habe ich sofort einen trockenen Mund. Ich will ihm gefallen und ich bekomme Herzklopfen, wenn ich merke, dass ich ihm tatsächlich gefalle.

 

Devot-Sein, Sub-Sein hat nichts mit Selbstaufgabe oder fehlendem Selbstwertgefühl zu tun. Es ist herausfordernd, intensiv und in jedem Fall eine Bereicherung, die ich in meinem Leben nicht mehr missen möchte.

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